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17. Oktober 2017

Klopfet an, so wird euch aufgetan. Lukas 11,9

Sehr selbstverständlich klingt das.
Aber so ist es nicht.
Nicht jede Türe, an die ich klopfe, wird aufgemacht.
Und meine Erfahrung ist nicht, dass Beten ein Klopfen an eine Türe ist, die auf jeden Fall aufgetan wird!
Sind mir darum die Sätze von Kierkegaard so lieb?
Als mein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde, da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen. Zuletzt wurde ich ganz still. Ich wurde, was womöglich noch ein grösserer Gegensatz zum Reden ist, ich wurde ein Hörer.

Und doch lässt mir dieser andere Satz, der Jesus zugeschrieben wird, keine Ruhe.
Weil er noch eine andere Nuance hineinbringt. Weil er in Spannung zu meinen Erfahrungen steht. Weil er mich provoziert.
Könnte es nicht sein, dass ich mich unmerklich darin eingerichtet habe, von Gott nicht allzu viel zu erwarten? Weil ich nicht enttäuscht werden will?
Dass ich quasi sage: Also, ich bin jetzt einfach mal da. Aber ich erwarte eigentlich nichts von dir, Lebendige. Zumindest nicht, dass du allzu lebendig bist. Ich rede schon mit dir, aber ich glaube nicht, dass etwas an- oder zurückkommt ...

«Klopfet an, so wird euch aufgetan.»
Ein unglaubliches Vertrauen spricht aus diesen Worten. Es sagt sie der, an dem der Kelch nicht vorübergegangen ist, trotz seiner Bitte.

Woher nimmt er das Vertrauen?

Von: Ulrike Müller

 

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