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29. August 2016

Du sollst den Geringen nicht vorziehen, aber auch den Gros­sen nicht begünstigen. 3. Mose 19,15

«Aber die anderen Kinder haben auch, Mama!»
«Mir ist egal, was die anderen Kinder getan oder nicht getan haben. Es geht mir um dich.»
Wie ungerecht, findet das kleine Mädchen.
Wie ungerecht, findet vielleicht auch die Mutter.
Was richtig ist, was falsch, was zu bestrafen, was zu belohnen ist, sollte nicht nur Müttern und ihren Töchtern zu denken geben. Menschen auf den Strasse, in den Häusern, bei der Arbeit, am Warten, am Weiterrennen: Zerbrecht euch den Kopf darüber! Über dieses «Sollen». Beisst darauf herum, knetet es in euren Händen, umkreist es mit langen Schritten!
Du sollst … Alle sind gleich, ob gering, ob gross. Jede einzelne Menschenseele sehen, so, wie sie ist. Dahinter schauen, über sich und seine (Vor-)Urteile hinauswachsen. Die Tochter sehen und ihr sagen: Es geht mir um dich. Alle sind gleich anders. Sind darin deckungsgleich. Die Geringen und die Grossen. Die Mutter sehen und ihr sagen: Danke, dass ich für dich weder gering noch gross bin. Danke, dass ich ich sein darf bei dir.
Du sollst … Ein erhobener Zeigefinger? Vielleicht. Es geht mir um dich. Du kannst dahinter sehen. Du kannst über dich ­hinauswachsen. Wenn du willst. Vielleicht gilt der erhobene Zeigefinger dem Nicht-Wollen, dem Zu-faul-Sein. Der Mauer, über die wir so oft nicht hinauskommen, die wir als unüberwindbare Grenze unserer Toleranz und Geduld annehmen. Manchmal darf man sich eines Besseren belehren lassen.

Von: Lea Scherler

 

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