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28. September 2016

Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende. Daniel 7,14

Er könnte das Ende eines Gebets sein, dieser Vers, ein Besingen der Ewigkeit und Allmacht Gottes. Davor Lob, Dank und Bitte, ein vertrauensvolles Sich-Geben in Gottes Hand. Etwas, das einem Mittwoch Ende September kurz vor Erntedank gut anstehen würde. Doch der Eindruck, den der herausgelöste Satz hervorruft, ist nicht kompatibel mit dem Kontext, in dem er steht.
Ein Traum – ja vielleicht ein Albtraum – ein Gesicht.
«Daniels Gesicht von den vier Tieren und dem Menschensohn», so ist der Abschnitt in der Lutherbibel überschrieben und er würde sich als Vorlage für einen Horrorfilm durchaus eignen. Denn hier geht es um Macht, um Zerfleischen, um redende Hörner mit Augen. Es geht um einen, der uralt ist, den Thron besteigt und die Tiere tötet. Es geht um einen, der mit den Wolken vom Himmel kommt, «wie eines Menschen Sohn». Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.
Daniel versteht das alles nicht, will nachfragen, mehr erfahren, klarer sehen. Trotz einiger Erläuterung ist er beunruhigt, und das nächtliche Gesicht lässt sein Gesicht erbleichen.
Es könnte so einfach sein, wenn man nur das sieht, was man sehen möchte, den Ausschnitt, mit seinem eigenen Kontext ergänzt, und doch ist es auch heilsam, sich von Gottes Botschaft, die nicht immer nur schön und sanft ist, beunruhigen und aus seinem Kontext herausreissen zu lassen.

Vielleicht sogar an einem Mittwoch Ende September.

Von: Sigrun Welke-Holtmann

 

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