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18. November 2017

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein grosses Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Jesaja 9,1

Das klingt nach Weihnachten. Für mich war dieses Jesaja-Wort immer der Inbegriff von kommender Freude, Hoffnung, ja Glück. Ich war übrigens auch immer ein «Morgenmensch» und habe nie wirklich begreifen können, dass es Menschen gibt, die der Dämmerung und einbrechendem Dunkel den Vorzug geben können. Und doch habe ich viele davon getroffen, und sie schienen mir ansonsten ganz normal zu sein! Wenn ich mir diese Tatsache überlege, scheint sie mir ein schlagender Beweis dafür zu sein, wie breit, wie unendlich die Möglichkeiten menschlicher Eigenschaften und Talente sind, und vor allem, wie wenig es ein absolutes «Richtig» und «Falsch» gibt. Wir leben in Gegensätzen, in Paradoxen. Dort, wo das grösste Dunkel ist, scheint das hellste Licht auf. Dort, wo das schlimmste und bitterste Elend ist, ist das höchste Glück angesagt. So ist Gott.

Wirklich verstehen werden wir es wohl nie. Aber ich kann mich noch gut an das Gefühl erinnern, das mich schon als Kind erfasste, als ich noch kaum die Worte richtig verstand: eine unermessliche Befreiung, ohne dass ich zu verstehen brauchte, wovon und weshalb. Jetzt bin ich uralt und längst «ent-zaubert». Aber wer weiss, vielleicht erwartet mich bald eine ähnliche, end-gültige Erfahrung?

Von: Leni Altwegg

 

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