Das Erdreich erschrickt und wird still, wenn Gott sich aufmacht zu richten, dass er
helfe den Elenden auf Erden. Psalm 76,9-10
Mittelalterliche Kirchen wie das Basler oder das Berner Münster stellen den Thronsaal Gottes dar. Über dem Hauptportal ist das Jüngste Gericht dargestellt. Wer eintritt, soll sich und sein Leben prüfen. Denn in der Vierung, wo Längs- und Seitenschiff sich kreuzen, stehen die Gläubigen vor und unter dem Thron dessen, der als letzte Instanz richtet. Die dort stehen, sollen sich klein vorkommen; sie sollen nicht meinen, sie könnten den Richtspruch des Ewigen in Frage stellen. Sie sollen in Demut niederknien und Gottes Urteil annehmen.
Die Rede vom Jüngsten Gericht befremdet heute viele. Doch die Elenden tröstet sie. Sie macht denen Hoffnung, die ganz unten sind und meist absichtlich unten gehalten werden. Sie richtet diejenigen auf, die niedergeschmettert sind, die um ihr Recht und um ihr Leben gebracht werden. Die kein Ansehen haben, nicht respektiert werden, können sich darauf verlassen, dass Gott sie sieht und ansieht. Und endlich Recht spricht.
Wir, die wir in Umständen leben, die aufgrund von Ungerechtigkeiten so komfortabel und sicher sind, gehören zu denen, die erschrecken und still werden sollen. Um uns dann wenigstens dort, wo wir es können, für die Gerechtigkeit Gottes einzusetzen.
Von: Benedict Schubert