Auf dich, HERR, sehen meine Augen; ich traue auf dich, gib mich nicht in den Tod dahin. Psalm 141,8
Die heutige Losung ist einem Psalm Davids entnommen. Der Beter sitzt im Gefängnis, weil er mit zweifelhaften Menschen Sachen gegessen hat, die verboten sind. Da spricht er zu Gott, der Lebendigen, und richtet seine Augen auf sie. Er hat Angst, verurteilt zu werden. Die Zürcher Bibel spricht nicht vom «Tod», sondern von einem Leben, das «verschüttet» wird.
Eben habe ich geputzt und das schmutzige Wasser weggeschüttet. Weg war es, nicht mehr gebraucht, vergessen. Wegschütten, welch ein normaler Vorgang.
Im Psalm ist das Verb «verschüttet» beängstigend, radikal, unumkehrbar. In diesem Zustand der Angst schaut der Beter in die Augen Gottes und spricht sein Vertrauen aus. Ist uns die Lebendige besonders nahe, wenn wir ihr unsere Angst anvertrauen? Können wir dann durchatmen und Vertrauen in das Leben zurückgewinnen? Ich weiss es nicht. Aber ich kann es wagen, kann es versuchen. Es soll aber ja keine Wer-tung sein, denn jede und jeder muss den eigenen Weg gehen und mit der Angst zurechtkommen. Etwas aber kann helfen: Wenn Mitmenschen geduldig zuhören und meine Angst teilen. Ich hoffe, dass sich solche Menschen finden lassen und die Lebendige in der Angst bei mir ist. Wie im Psalm ist diese damit nicht weg, aber aufgehoben bei einem Menschen und bei der Lebendigen. Wir werden nicht «verschüttet».
Von: Madeleine Strub-Jaccoud