Seid darauf bedacht, zu wahren die Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens. Epheser 4,3
Dieser Satz richtet sich an die junge christliche Gemeinde
von Ephesus, einer damals bedeutenden Hafenstadt in
der heutigen Westtürkei. Paulus lebte einige Jahre dort
und baute die sehr uneinheitliche Gemeinde auf. Neben
der unterschiedlichen Herkunft ihrer Mitglieder prägte die
Gemeinde auch das konfessionell bunte Umfeld, das von
Magie und der Verehrung verschiedener Götter geprägt war.
Daher verwundert es nicht, ermuntert der Verfasser dieses
Briefs, der möglicherweise Paulus selbst oder auch ein
Schüler von ihm war, Einigkeit und Frieden zu wahren. Die
Hauptbotschaft des Epheserbriefs ist die universelle Einheit
in Christus. Sowohl in der eorie als auch in der Praxis
werden die Gläubigen instruiert, welche Haltung und Taten
nötig sind, um in Krisenzeiten zu bestehen. Ich denke bei
diesen Zeilen unweigerlich an heute, da jede Stimme zur
Überwindung gesellschaftlicher Spaltung nötiger denn je ist.
Eigentlich würde das moderne Völkerrecht diese theologische
Vision einer geeinten, friedlichen Menschheit vertreten,
nämlich dass Menschen unterschiedlicher Herkunft dieselben
Rechte teilen. Leider aber ist dieses ethische Fundament
der globalen Friedensordnung stark am Bröckeln. Daher verstehe
ich es als unsere Aufgabe, in einer Welt, wo Polarisierung,
Machtmissbrauch und Ungerechtigkeit immer mehr
überhandnehmen, am Band des Friedens und der Einigkeit
in einem würdevollen Geist festzuhalten.
Von: Esther Hürlimann