Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde,
so will ich alle zu mir ziehen. Johannes 12,32
Mit der «Erhöhung von der Erde» meint Christus seine Himmelfahrt,
die wir heute feiern. Der Gedanke liegt zumindest
nahe. Im nächsten Vers wird er allerdings in die Schwebe
gebracht. Da heisst es, Christus wolle mit diesen Worten
andeuten, welchen Tod er sterben würde (Vers 33). «Erhöhung
» hat einen doppelten Sinn: Sie meint zunächst die
Kreuzigung und dann den Aufstieg in den Himmel. Dass
beides mit ein und demselben Wort gesagt wird, ist mehr
als blosse Wortspielerei. Beides – der Abstieg in die Tiefen,
der Aufstieg ins Licht – hängt zusammen. Christus habe sich
erniedrigt bis zum Tod am Kreuz, heisst es in einem urchristlichen
Hymnus; darum habe Gott ihn über alles erhöht (Philipper
2,8 ff.). – In diese Dynamik der «Erhöhung» werde er
auch uns «ziehen», sagt Christus in unserem Vers weiter. Das
sind Worte, die Licht am Horizont aufscheinen lassen, wenn
man mit Schatten zu kämpfen hat. Sie machen deutlich, dass
es Christus selbst ist, der einen ins Dunkel hineinzieht. Dass
ich ihm mithin auf seinen Pfaden folge und er den Weg mit
mir geht. Und dass in diesen Schatten und durch sie hindurch
der Himmel sichtbar wird. – Die Dynamik der «Erhöhung»
betrifft «alle». Hier, schreibt der Jesuit Johannes Beutler, finde
der johanneische Heilsuniversalismus seinen unüberholbaren
Ausdruck. Einen Augenblick lang meint man, Licht am Horizont
zu sehen, für die eigene kleine Seele, für die ganze Erde.
Von: Andreas Fischer