Hüte dich nur und bewahre deine Seele gut, dass du nicht vergisst, was deine Augen gesehen haben. 5. Mose 4,9
Die lange Wanderung durch die Wüste ist zu Ende. Mose hat das Volk all die Jahre geführt bis hierher in das Gebiet östlich des Jordan. Aber Mose wird nicht mit in das verheissene Land ziehen, wie auch all jene nicht, die mit ihm damals aus Ägypten aufgebrochen waren. Sie, die die Gottesbegegnung am Horeb leibhaftig erlebt haben (2. Mose 19,17 ff.), sind nicht mehr. Hier stehen jetzt die Nachgeborenen, die neue Generation, die Hoffnungsträger:innen, die die Zukunft des Volkes bilden. An sie richtet Mose eindringlich seine letzte Rede und mahnt: «Hüte dich nur und bewahre deine Seele gut, dass du nicht vergisst, was deine Augen gesehen haben, und dass es nicht aus deinem Herzen kommt dein ganzes Leben lang.»
Augen und Herz haben im biblischen Verständnis eine enge Verbindung. «Sehen» in diesem Sinne ist, was das Herz berührt, den ganzen Menschen ergreift und angeht. Spannend finde ich, dass Mose die Sorge und Pflege der Gottesbeziehung, die aus der Gottesbegegnung erwachsen ist, jedem und jeder persönlich in die Verantwortung gibt:
«Bewahre deine Seele gut …!»
Ich frage mich: Wie bewahre ich meine Seele gut? Was von dem, was ich täglich sehe, lasse ich mir zu Herzen gehen? Was und wen nehme ich ins Gebet, ins Gespräch mit Gott? Im Nachdenken merke ich, dass es gut ist, mir darüber Rechenschaft abzulegen.
Von: Annegret Brauch