Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt,
und noch jetzt verkündige ich deine Wunder. Psalm 71,17
Je älter ich werde, desto öfter erfahre ich, wie meine Kräfte an ihr Limit kommen. Der Mensch, der diesen Psalm betet, kennt das, und er möchte gerne weiter tun, was er seit seiner Jugend immer wieder gemacht hat: Er hat von Gott geredet, von Gottes Schöpferkraft, von Gottes Gerechtigkeit, von seiner Treue, seiner Macht, seiner Hilfe und seiner Zusage, aus schweren Situationen zu erretten. Jetzt schwinden seine Kräfte, und er fürchtet, das bald nicht mehr zu können. Nicht mehr seinen Kindern und Enkeln erzählen zu können, wie er Gott immer wieder erlebt hat, wie er gestützt worden ist, wie er Gott erfahren hat als Fels und Burg, wohin er sich zurückziehen konnte, wenn er bedrängt wurde … Manchmal tönen seine Worte wie «do ut des» («ich gebe, damit du gibst») – ich habe mich für dich, Gott, eingesetzt, jetzt revanchiere dich und gib mir bitte alle nötigen Kräfte, damit ich weiterhin der sein kann, der ich doch eigentlich, trotz meines Älterwerdens, bin. Aber dann schaut er noch einmal genau und erkennt, dass alles in seinem Leben von Gott geschenkt war, mit und ohne sein Zutun, erwartet oder überraschend, wie er ihn in schwierigen Zeiten begleitet und beschützt hat. Daraus schöpft er Vertrauen, dass er auch jetzt mit Gottes Beistand rechnen darf. Er kann das, was er erlebt und erfahren hat, als starke Gotteszeichen sehen. Da wird der Psalmbeter unerwartet zu einem Vorbild.
Von: Hans Strub