Jesus sprach zu Simon und Andreas: Kommt, folgt mir nach; ich will euch zu Menschenfischern machen! Markus 1,17
«… und sogleich verliessen sie ihre Netze und folgten ihm nach», so die Fortsetzung. Knapper, kompromissloser kann man eine Berufung nicht aussprechen. Simon Petrus und Andreas scheinen keinen Augenblick gezögert zu haben.
Ob sie sich unter «Menschenfischern» etwas vorstellen konnten? Ein paar Jahre waren sie mit ihrem Meister unterwegs, zwölf Männer, die einander nicht ausgesucht hatten. Es war kein Spaziergang: lange Märsche, Nächte im Freien, knurrende Mägen. Aber es gab auch ausgelassene Feiern an üppig gedeckten Tischen. Wunderbares geschah, Kranke wurden gesund und tanzten vor Freude, die Armen kamen in Scharen, und die Jünger waren ganz nahe dran. Als die Gegner des Meisters ihre Felle davonschwimmen sahen, wuchs ihr Hass ins Unermessliche. Unterdessen stritten sich die Jünger: Wer ist der Grösste? Verstanden sie, was sich anbahnte? Wohl kaum.
Als Jesus gefangen wurde, leugnete Petrus, ihn zu kennen. Als Jesus starb, starb auch die Berufung des Jüngers. Da blieb nur noch Verzweiflung.
Wer hätte gedacht, dass auch die Berufung auferstehen würde? Wochen später sagt der gleiche Petrus vor dem Hohen Rat: «Wir können nicht anders, als von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben.» (Apostelgeschichte 4,20)
Von: Dorothee Degen-Zimmermann