Gott, du holst mich wieder herauf aus den Tiefen
der Erde. Du machst mich sehr gross und tröstest mich wieder. Psalm 71,20–21
Wer hier betet, hat gute Erfahrungen mit Gott gemacht: Gott hat ihn in belastenden und niederdrückenden Situationen nicht allein gelassen. Gott hat ihm zu spüren gegeben, dass er da ist und dass er ihm immer wieder neues Leben schenkt. Der Beter ist dankbar, dass er offensichtlich von seinem Gott geliebt ist und dass Gott will, dass er dableibt, dass er ihm also trotz seinen Fehlern wichtig ist. Das ehrt ihn und tröstet ihn, das richtet ihn auf und gibt neue Kraft. Eine Art «Auferstehung» im Leben. Er erhält die Möglichkeit eines Neuanfangs, sogar mehrmals!
Je älter ich werde, umso deutlicher erkenne ich im ehrlichen Rückblick, dass es nicht die eigene Leistung war, die Neuanfänge ermöglichte. Sondern dass ich sie als Geschenk sehen darf und auch so sehen muss. Manchmal sind sie auf den ersten Blick zu übersehen, erst später entpuppen sich auch Ecken oder gar Brüche im Lebenslauf als Chancen, die mir neu eröffnet worden sind.
«Gott schreibt auch auf krummen Linien grade …», so hiess vor Jahren ein Buchtitel, der in fast kindlichem Ton solche Erfahrungen auf den Punkt bringt. Es ist an mir, sie zu erkennen und sie zu schätzen. Sie machen dankbar und demütig und rücken Schweres in ein anderes Licht, in Gottes
Licht. Gerade im Älterwerden sind solche Lichtpunkte in meinem Leben ein Trost …
Von: Hans Strub