2. April

Jesus nahm den Kelch und dankte, gab ihnen
den und sprach: Trinket alle daraus; das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. Matthäus 26,27–28

Um die Abendmahlsworte hat es nicht nur theologische Auseinandersetzungen gegeben, sondern totale Zwietracht. Die Ökumene leidet an der selbstgemachten Unmöglichkeit eines gemeinsamen Abendmahls. Die Eucharistiefeiern in der Versöhnungskirche in Taizé sind die Ausnahmen, die die Regel bestätigen.
Dabei hatte Jesus einen Plan, schlicht und ergreifend:
Alle seine Jünger trinken aus einem Kelch.
Alle Nachfolgerinnen machen es weiter so.
Alle, auch Petrus, der nicht hielt, was er versprach.
Alle, auch Judas, der aus Enttäuschung zu weit ging.
Alle, die im selben Boot sitzen, aber nur schon wegen schlechten Wetters kleingläubig werden (Matthäus 8,26).
Alle, also auch jene, die sich theologisch noch lange nicht einig sind, denen Differenzen noch zu wichtig sind.
Alle, auch gegenwärtige Petrusse, die gross reden und hernach viel Liebe brauchen (Johannes 21,15–17).
Alle, auch gegenwärtige Judasse, die versagen für Geld, die Schuld auf sich laden und Vergebung nötig haben.
Mancherorts gehen einfach alle hin, ohne erst offiziell zu fragen; quasi subversiv, aber ganz in Jesu Sinn.
Wie wäre es heute Abend, morgen Nachmittag und überübermorgen früh?

Von: Dörte Gebhard

1. April

Ich will dir danken in grosser Gemeinde;
unter vielem Volk will ich dich rühmen. Psalm 35,18

«KIRCHE ÜBERFÜLLT» steht auf dem riesigen Schild. Schon in der Strassenbahn war es wie in einer Sardinenbüchse. Jetzt sind sie aus der Nähe zu sehen: die Massen auf dem Vorplatz. Das Schild lehnte am Eingangsportal, jetzt wird es hochgehalten, damit man es von weitem lesen kann. Ein junger Mann redet freundlich, aber sehr bestimmt mit denen, die unbedingt noch hineinwollen. Natürlich wären sie bereit, zu stehen oder am Boden zu sitzen. Das sagen sie immer wieder, aber es nützt ihnen nichts. Wir sind in Westeuropa. Da gibt es Vorschriften. Die Fluchtwege werden frei gehalten. Ein paar Leute geben nicht so leicht auf: Sie sind schliesslich zwei Stunden angestanden! Bei der Hitze! Sie haben sich so lange darauf gefreut!
An deutschen Kirchentagen gibt es diese wundervollen Schilder und diese emotionalen Augenblicke draussen vor der Tür. Ich muss dann enttäuscht nach einer anderen Bibelarbeit Ausschau halten, aber zugleich weiss ich nicht, wohin vor lauter Glück! Weil die Gemeinde so gross ist! In dieser Kirche sind Hunderte Sitzplätze – und sie sind alle besetzt! Da wird Gott gerühmt mit viel Volk! Alle zwei Jahre kommt das vor. Immerhin. Wer in grösserer Gemeinde danken will, geht am besten selbst öfter hin und nimmt jemanden mit. Vielleicht weiss jemand noch nicht oder nicht mehr, wie gut es in der Kirche ist.

Von: Dörte Gebhard

Mittelteil März / April 2026

Frieden, Hoffnung, Liebe, Zukunft –
«500 Jahre Disputation Baden» 2026

Mit einem grossen Festakt in der Pfarrkirche Baden im Kanton
Aargau erreicht am 31. Mai 2026 das Gedenken an jenes
wichtige Ereignis der Schweizer Geschichte seinen Höhepunkt
und Abschluss. Seit Herbst 2025 und in immer dichterer
Folge finden an verschiedenen Orten in der Stadt Veranstaltungen
statt, die der Bedeutung jener Disputation für
Gegenwart und Zukunft unseres Landes und unserer Gesellschaft
nachgehen (www.disputation.ch).


Europa im Umbruch
Die 1520er-Jahre erlebten eine fundamentale Zäsur der bisherigen
Geschichte: An mehreren Orten in Europa, auch in
Zürich, fasste eine Bewegung Fuss, die zum Ziel hatte, den
christlichen Glauben grundlegend zu reformieren und offensichtliche
Missstände der damaligen Kirche (Verweltlichung
der römischen Kirchenleitung, käuflicher Sündenablass zur
Kirchenfinanzierung, Machtkämpfe mit den Königen und
Fürsten der Welt um die Vorherrschaft etc.) zu beseitigen.
Solche Bestrebungen waren nicht neu, seit zwei Jahrhunderten
gab es schon da und dort Zellen zur Erneuerung
der (katholischen, einzigen) Kirche. Im dritten Jahrzehnt
des 16. Jahrhunderts (1520–1530) war die Zeit reif für diese
länderübergreifende Bewegung, später zusammenfassend
Reformation genannt, welche die damalige Gesellschaftsordnung in Frage stellte. Dass bald an unterschiedlichen Orten
daraus neue christliche Kirchen entstanden, war ursprünglich
nicht im Blick. Die unerwartete Dynamik der Bewegung,
massiv unterstützt durch den kurz zuvor erfundenen Buchdruck,
mit dem Flugschriften und Bücher rasend schnell verbreitet
werden konnten, erfasste alle Schichten der Bevölkerung.
Die Politik war dadurch höchst beunruhigt, der Kaiser
und die Kurfürsten im Deutschen Reich versuchten rasch
(erfolglos), den Wittenberger Mönch Martin Luther zum
Ketzer zu stempeln und damit unschädlich zu machen.


Die eidgenössische Einheit unter Druck
In der Schweiz war eine Mehrheit der Stände (Kantone), die
damals die dreizehn Orte der Eidgenossenschaft bildeten,
höchst beunruhigt über die Entwicklungen, die der neue
Grossmünsterpfarrer Ulrich Zwingli seit 1519 ausgelöst hatte.
Die Tagsatzung, eine Art Ständerat, befürchtete, dass sich
die neuen Glaubensansichten aus Zürich auch in weiteren
Gebieten des Landes durchsetzen und damit die bestehende
politische Ordnung angreifen könnten. Sie berief deshalb
eine breit abgestützte Zusammenkunft ein, um der um sich
greifenden Unruhe ein Ende zu setzen. Am 19. Mai 1526
begann die Versammlung, an der Vertreter der neuen Richtung
ihre Argumente der Diskussion aussetzen sollten, damit
ermittelt werden könnte, ob sie wirklich tragen oder mit
guten Gründen zu widerlegen sind. Die «Badener Disputation
» dauerte insgesamt drei Wochen, bis zum 8. Juni 1526.
Nur schon acht Tage nahm die «disputatio» (lat. Erwägung,
Erörterung) der Frage in Anspruch, ob der Leib Jesu in der
Messe wirklich verwandelt werde.
Disputiert wurde jeweils von frühmorgens bis abends,
danach gab es die Möglichkeit, eines der Bäder am Limmatknie
unten aufzusuchen …
Auf der altgläubigen Seite war der Ingolstädter Theologe
Dr. Johannes Eck der führende Disputant (er hatte schon
früher mit Martin Luther gestritten), auf der neugläubigen
Seite war es der Basler Johannes Oekolampad, der anstelle
von Zwingli (dem man aus Sicherheitsgründen dringend
von einer Teilnahme abgeraten hatte) die neuen Überlegungen
vertrat. Einige weitere Fachpersonen unter den rund
zweihundert Teilnehmenden ergriffen sporadisch das Wort
in der Pfarrkirche. Insgesamt vier Protokollanten schrieben
die Ausführungen mit, der Luzerner Stadtschreiber machte
daraus eine Schlussfassung. Sie erschien 1527, also erst ein
Jahr nach der Disputation.


Entscheidende Veränderungen
In diesem einen Jahr geschah vieles, was die Weiterführung
der Reformation beförderte: Obwohl es keine formelle
Schlussabstimmung in Baden gegeben hatte, war eindeutig,
dass die Altgläubigen in der Mehrheit waren und die
Neugläubigen sie nicht hatten überzeugen können. In der
Zwischenzeit aber kippte die Stimmung vor allem in den
bevölkerungsreichen und politisch-wirtschaftlich wichtigen
Städten Basel und Bern: Sie schlossen sich dem reformierten
Glauben an. Plötzlich waren die Mehrheitsverhältnisse
im Land anders. Das führte dazu, dass eine Form gefunden werden musste, damit es nicht zu einem Bruch in der Eidgenossenschaft kam. Diese bestand darin, dass – erstmals in Europa – in einem Land zwei unterschiedliche Glaubensrichtungen nebeneinander existieren konnten!


Die neue Situation: «Cohabitation»
Im Gefolge der Disputation von Baden 1526 endete die bis anhin überall geltende Formel «ein Land – ein Glaube». Auf kleinem Raum wurde es möglich, dass neben der weiterhin omnipräsenten katholischen Kirche auch reformierte Gemeinden ihren Platz bekamen. Diese damals ganz neue Situation bestimmt bis heute und auch in Zukunft das mehr oder weniger friedliche Nebeneinander und Miteinander von verschiedenen Konfessionen in unserem Land. Die «Badener Disputation» konnte verhindern, dass die damalige Eidgenossenschaft auseinanderbrach.
Schon kurz danach wurde dieses Ergebnis der Disputation wieder ernsthaft in Frage gestellt, und zwar ausgerechnet von Zürich: Mit den beiden Kappeler Kriegen 1529 (ohne grosse Kampfhandlungen, mit der berühmt gewordenen «Milchsuppe» im Weiler Menzingen) und 1531 (als 400 Zürcher, unter ihnen auch Zwingli, den Tod fanden) wollten die Zürcher mit Gewalt die altgläubigen Gebiete bekehren, wofür die damals kleine Stadt teuer bezahlte; im anschliessenden Landfrieden aber zeigten sich die Innerschweizer ausgesprochen friedliebend und respektierten das «Ergebnis von Baden».


Innere Kämpfe und Expansion
Während «Baden» eine politische Perspektive für die Eidgenossenschaft eröffnet hatte, spitzten sich in Zürich die Auseinandersetzungen innerhalb der Neugläubigen zu: Der sogenannt linke Flügel der Reformation, Wiedertäufer genannt (weil sie die Kindertaufe nicht anerkannten und die Erwachsenentaufe illegal einführten), wurde verfolgt und aus der Stadt vertrieben. Anfang 1527 wurde mit Felix Manz gar der erste Täufer in der Limmat ertränkt (in der Folgezeit noch fünf weitere). Es gelang dann dem umsichtigen Nachfolger von Zwingli, Heinrich Bullinger aus Bremgarten, in enger Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister Röist die noch junge Reformation in ein ruhigeres Fahrwasser zu bringen, 1549 die Zürcher mit der Genfer Reformation von Jean Calvin zu verbinden und so den Grundstock dafür zu legen, dass sich die reformierte Form des christlichen Glaubens im westlichen Europa und später nach Amerika verbreiten konnte.


«500 Jahre Disputation Baden» 2026
Seit Herbst 2025 finden in Baden Veranstaltungen statt, die auf den grossen Gedenkmonat Mai hinführen wollen. Dazu gehören auch Gespräche mit Persönlichkeiten aus verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens zu den bewegenden Fragen der Gegenwart und zu Perspektiven für die nächsten Jahre. Es ist eine Reihe von Konzerten angesagt, an mehreren Orten in der Stadt gibt es Diskussionsgelegenheiten, Schulen beteiligen sich, Vereine, die Stadt ist sehr engagiert, an Pfingsten findet «Taizé in Baden» statt, am Samstag
vor dem Höhepunkt laufen verschiedene Aktivitäten, auch für Jugendliche, unter der Überschrift «Manifestation».
Im Hintergrund aller Festivitäten stehen stets die vier Grundbegriffe aus der Disputation, die das Nachdenken heute leiten sollen:
Frieden, Hoffnung, Liebe, Zukunft.
Und dann, am Sonntag, 31. Mai, findet der Höhe- und Schlusspunkt des Jubiläums statt – ein festlicher Gottesdienst mit Vertreter:innen der Kirchen und der kantonalen und eidgenössischen Politik und vielen interessierten Menschen. Der ganze Anlass ist von Anfang an ökumenisch geplant mit dem reformierten Stadtpfarrer Res Peter und dem katholischen Pfarreileiter Claudio Tamassini. Das Programm ist ersichtlich auf www.disputation.ch

Hans Strub
(ist für die Mitwirkung in der Projektleitung angefragt worden)


Die Badener Disputation war in jener bewegten Epoche eine von europaweit rund dreissig Disputationen; sie wurde auf Deutsch geführt. Es ist die am besten dokumentierte politisch-religiöse Veranstaltung jener Jahre.
Im Theologischen Verlag Zürich TVZ erschien 2015 ein Buch mit rund 750 Seiten mit der akribisch recherchierten und kommentierten Fassung der Protokolle, herausgegeben von Alfred Schindler und Wolfram Schneider-Lastin.

31. März

Der HERR, unser Gott, ist gerecht in allen
seinen Werken, die er tut. Daniel 9,14

Die Kirchenglocken sind gerade in der ganzen Schweiz am Läuten, heute um 14.00 Uhr. Wir gedenken der Opfer in Crans-Montana. Schreckliches ist geschehen in der Silvesternacht und stündlich passiert weiter Schreckliches auf der Welt. Ist dieser unser Gott gerecht?
Kann ich Gott für das Leid und das Schreckliche auf der Welt verantwortlich machen? Nein, das kann ich nicht. Ein Gott, der alles steuert und immer alles schon plant und kennt, so einer soll mir nicht zu nahe kommen – vielmehr sehne ich mich nach dem einen Gott, der mich und uns so umwirbt und verändert, dass wir nur noch aus Liebe handeln können. Und ob nun die Katastrophe so hätte vermieden werden können, auch das kann ich nicht sagen. Wer bin ich schon, dass ich mir eigentlich zutraue, Gott zu kennen oder zu wissen, was er vorhat oder sich für uns vorstellt? Einzig hoffen kann ich, hoffen, dass Gott mit uns die Kurve kriegt, dass er möglichst viele für seine Sache, diesen einen grossen Plan, begeistern kann. Es braucht viele offene Herzen und stille Geister, die noch mehr versuchen, sich auf das leise Säuseln dieses Gottes einzulassen.
Gott ist gerecht in allen seinen Werken. Der Satz bleibt mir verschlossen, und besonders heute hadere ich einmal wieder sehr mit Gott. Gott hat uns die Freiheit gegeben zu handeln. Wir sollten sie klug nutzen.

Von: Markus Bürki

30. März

Ihr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nichts davontun, auf dass ihr bewahrt die Gebote des HERRN, eures Gottes. 5. Mose 4,2

Ich knüpfe an meine gestrige Auslegung an. Mose rang mit Gott um dessen angemessenes Verhalten. Der heutige Text verweist uns ergänzend darauf, dass es letztlich allein darum geht, was Gott gebietet: um den einmal gelegten Grund. Mose hat sich um die Auslegung des göttlichen Willens gestritten, letztlich aber gilt es zu tun, was Gott beschlossen hat. Gott ist und bleibt der zentrale Akteur, man mag auch sagen Anker, für unser ethisches Handeln. Es gibt kein Herumwerkeln an Gottes Friedens- und Gerechtigkeitswillen für die Armen, Witwen, Waisen und sonstig Ausgegrenzten. Kein Iota soll dem Gesetz hinzugefügt werden, auch wenn die politische Situation es noch so sehr zu fordern scheint. Eure Rede sei Ja, Ja, Nein, Nein, formuliert Jesus die geforderte Eindeutigkeit, gegenüber dem Gebot der Tora (Matthäus 5,37).
Gerne fügen wir in guter Absicht und mit klugen Worten den Geboten der Tora und der Bergpredigt uns passende Deutungen hinzu. Schaffen neue Interpretationen biblischer Ethik, die besser in den allgemeinen politischen Diskurs passen. Die heutige Losung verlangt Eindeutigkeit. Das ist oftmals schmerzlich, weil sie sich gegen Mehrheiten stellen muss. Schon damals am Horeb und später war diese Eindeutigkeit gefordert und offensichtlich nicht gegeben. Sonst hätte es diese Sätze Jahwes nicht gebraucht.

Von: Gert Rüppell

29. März

Mose sprach zu dem HERRN: Wenn nicht dein Angesicht vorangeht,
so führe uns nicht von hier hinauf. 2. Mose 33,15

Mose ist mir Vorbild dafür, dass mit Gott auch gerungen werden kann, sogar muss. Nicht um seinetwillen, sondern um derer willen, die ihm anvertraut sind, ringt Mose. Auch wenn sich diese Anvertrauten nicht gerade als folgsam erweisen. Diese Sandwichposition kennen wir auch. Da ist zum einen der Auftraggeber mit seinen Anordnungen und andererseits sind es die Auftragnehmer, die ihre eigenen Vorstellungen haben. Wie schlage ich die Brücke, wird Mose sich gefragt haben. Sein argumentatives Ringen mit Gott verweist darauf, sich nicht immer sofort mit allen scheinbar unabänderlichen göttlichen Plänen abzufinden. Hier ist das Gebet der Ort des Ringens. Mose drängt den verärgerten Gott, sein Angesicht den Sündern wieder zuzuwenden. Gott soll diesen fehlerhaften Haufen von Menschen weiterhin führen und nicht mit Rache überziehen. Es ist sehr berührend, wie Mose Gott umwirbt und dieser fürsorgliche Gott schliesslich einwilligt, den Eigensinnigen weiterhin zur Seite zu stehen. Aber da ist zugleich ein Satz, den Mose meines Erachtens, im Eifer seines Ringens, wenig zur Kenntnis nimmt: «Ich werde dich zur Ruhe führen.» Eine wunderbare Gewissheit für uns, die wir in der Nachfolge dieser Murrenden am Horeb stehen. Gott wird uns, dem postmosaischen Volk, gnädig sein, uns zur Ruhe führen, vor uns hergehen, eine gute Zukunft sichern!

Von: Gert Rüppell

28. März

Einer aber unter den zehn aussätzigen Männern,
als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme. Lukas 17,15

In meinem letzten Beitrag vom 28. Januar ging es um die Heilung oder Auferweckung der Tochter des Jairus. Dort sprang uns sofort das Wort Vertrauen an, hier ist es die Dankbarkeit. Zehn Männer werden nach der Begegnung mit Jesus gesund, und das vom Aussatz, einer Krankheit, die in der Regel zum Tod führte. Neun nehmen die Heilung offenbar so hin. Jesus schickt sie zwar alle zu den Priestern, um sich (geheilt) zu zeigen. Wir wissen aber nicht, wie sie sich weiter verhalten haben. Einer, ausgerechnet der Samaritaner, kehrt zu Jesus zurück und preist Gott und dankt ihm überschwänglich. In der noch bekannteren Geschichte erweist sich ein Samaritaner als hilfsbereit und barmherzig gegenüber dem überfallenen Israeliten. Und Jesus begegnet hier einem Samaritaner ebenfalls hilfsbereit, heilend und freundschaftlich.
Was können wir davon lernen? Hass, Verachtung und Lieblosigkeit lassen sich überwinden durch Hilfsbereitschaft, Zuwendung und Begegnung auf gleicher Ebene. Kein Mensch ist minderwertig. Und etwas Dankbarkeit und Demut zu zeigen, ist auch heute ein guter Ratschlag. Machen uns Medikamente und ärztliche Behandlungen gesund, preisen wir nicht nur die Pharma, sondern zeigen uns dankbar, dass wir leben und von der Liebe getragen sind.

Von: Bernhard Egg

27. März

Gerechtigkeit führt zum Leben; aber dem Bösen
nachjagen führt zum Tode. Sprüche 11,19

Es ist nicht immer so klar,
was gerecht und was ungerecht ist.
«Zwei für mich – einer für dich»
ist ein Bilderbuch, das die Sache
wunderbar auf den Punkt bringt.
Es ist spannend, mit kleinen Kindern
darüber zu debattieren,
wie drei Pilze gerecht zu verteilen sind.
Bär und Wiesel führen ein ausgiebiges,
gewitztes Streitgespräch über Gerechtigkeit.
Der Bär argumentiert, er kriege zwei,
weil er gross sei und mehr brauche.
Das Wiesel hingegen meint, es sei klein
und müsse noch wachsen.
In der Regel nehmen Kinder Partei
für das Wiesel, das kleine Tier.
Die Lösung bringt der Fuchs,
der den dritten Pilz klaut.
Die Empörung über den «bösen» Dieb ist gross,
aber das Verteilproblem ist gelöst!
Darauf essen Bär und Wiesel je einen Pilz
– und sind glücklich.
Es gibt sogar Nachtisch: drei Erdbeeren …

Von: Heidi Berner

26. März

Gott hat uns dazu vorherbestimmt, seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Lob seiner herrlichen Gnade. Epheser 1,5–6

Jesus Christus ist unser Bruder.
Sonst wäre ja das Unservater
eine Lüge, eine Anmassung!
Es ist tröstlich, dass uns allen gilt,
in welcher Situation auch immer
wir gezeugt oder in welche Welt
wir hineingeboren werden:
Wir sind Kinder Gottes!
Übersetzt in Alltagssprache:
Wir alle haben Würde und Wert,
einfach, weil wir Menschen sind.
Wir dürfen leben auf diesem Planeten,
verletzlich, vergänglich und verbunden
mit anderem Leben, hungrig und durstig,
auch nach Liebe und Glück.
Wie aber damit umgehen, dass es
– unbestreitbar – «Geschwister» gibt,
mit denen wir nichts zu tun haben möchten?
Genau hinschauen, Unrecht erkennen
– auch das eigene –, dagegen angehen,
mutig für das Gute einstehen.
Und trotzig am Axiom des Glaubens
festhalten: Wir sind Kinder Gottes!

Von: Heidi Berner

25. März

HERR, steh auf, dass nicht Menschen die Oberhand gewinnen. Psalm 9,20

Es wird dem Christentum hin und wieder vorgeworfen, es habe ein viel zu negatives Menschenbild. Da werde ständig die Sünde, die Sündhaftigkeit und Verworfenheit betont, statt das Gute und Schöne im Menschen zu erkennen und zu fördern.
Was soll dieser Vorwurf? Lest doch bloss die Nachrichten! Ich bete aus tiefem Herzen mit dem Psalm um Bewahrung davor, dass Menschen sich durchsetzen. Wir beten es mit grosser Dringlichkeit, manche können es nicht ohne einen Anflug von Verzweiflung beten. Es braucht viel Glaubensmut, daran festzuhalten, dass Gott «im Regimente» sitzt und uns nicht denen überlässt, die ihre Muskeln spielen und Waffen sprechen lassen. Das Schlimmste daran ist, dass im Osten wie im Westen diese Machtmenschen als Heilsbringer und Werkzeuge Gottes verehrt werden von solchen, die sich nach Jesus Christus nennen. Wir aber beten: Lass sie nicht wirklich die Oberhand gewinnen. Wir beten es in der Passionszeit in der bewussten Erinnerung daran, dass Gott dieses Gebet nicht einmal für seinen Sohn am Kreuz erhörte. Da schienen die Menschen zu siegen. Aber wir beten auch in der dankbaren Gewissheit, dass wir am Ostermorgen lachend jubeln können: Nein, die Menschen haben die Oberhand endgültig verloren. Jetzt können Menschen wieder in Würde Menschen sein.

Von: Benedict Schubert