Der Tag des HERRN kommt und ist nahe. Joel 2,1
Lese ich diesen Vers unbefangen und ohne in das Buch Joel
hineinzuschauen, denke ich spontan: Der Tag des HERRN
wird ein grosser Festtag sein – endlich hören die Kriege auf,
endlich hören Hunger und Obdachlosigkeit und tödliche
Krankheit auf. Aber genau das Gegenteil ist mit diesem Vers
gemeint: Es wird ein Tag der Strafe sein. Es gibt immer beides
in der Bibel: Strafe für Fehlverhalten und Gnade und Barmherzigkeit.
So reisst auch Joel das Ruder ab dem 12. Vers des 2.Kapitels herum und verheisst Gottes Barmherzigkeit und Zuwendung, nachdem die Menschen in sich gegangen sind und umkehren.
Wie oft ist der Ruf zur Umkehr vor allem bei den Propheten,
aber auch im Neuen Testament zu hören. Der Glaube
an die Wirkung der Umkehr ist bei uns weitgehend verloren
gegangen.
Beunruhigender ist, dass der Glaube in manchen Ländern
genutzt wird, um Vertreibungen und Kriege zu rechtfertigen.
Darüber könnte man verzweifeln, aber die Verzweiflung und
das Unverständnis können das Ruder nicht herumreissen.
Ich bewundere die Menschen, die es wagen, Widerstand
gegen diese Politik zu leisten, die unter hohem Risiko auf
die Strasse gehen und protestieren, die alle Rechtswege
prüfen und einschlagen, um die Gewalt zu stoppen. Viele
unter ihnen glauben an Gott, viele glauben an die Stärke des
Rechts. Möge der eine Glaube den anderen stärken!
Von: Elisabeth Raiser von Weizsäcker