Alle Schrift, von Gott eingegeben, ist nütze zur Lehre, zur Zurechtweisung, zur Besserung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit. 2.Timotheus 3,16
Ein in Österreich lebender koreanischer Pfarrer fragte mich einmal, ob er an der Wiener Uni christliche Pädagogik lernen würde. Ich dachte an die lange Entwicklung der Pädagogik und ihre Loslösung von ihren christlichen Wurzeln – und verneinte. Doch im Gespräch wurde mir klar: Für ihn war vieles von dem, was hier gelehrt wird, zutiefst christlich. Moderne Pädagogik wurzelt nicht nur in der griechischen paideía, sondern auch im biblischen Menschenbild, das die unverlierbare Würde des Menschen, seine Lern- und Beziehungsfähigkeit sowie die Notwendigkeit von Orientierung, Korrektur und Vergebung betont.
Paulus erinnert seinen Schüler Timotheus daran, dass ihm für seinen Auftrag der Lehre und Gemeindeleitung bereits alles Wesentliche gegeben ist. Die Schriften der hebräischen Bibel sind ihm vertraut – und Paulus beschreibt sie mit Begriffen, die zutiefst pädagogisch sind: Lehre, Zurechtweisung, Besserung und Erziehung.
Das Ziel ist Persönlichkeitsbildung und Erziehung zur Gerechtigkeit. Letztere beginnt im Lernen von Empathie, zeigt sich im Schutz der Schwachen und mündet in ein Verständnis von Gerechtigkeit, das mehr meint als Gleichbehandlung, nämlich Chancengerechtigkeit, damit Leben gelingen kann.
Von: Barbara Heyse-Schaefer