Mittelteil Mai / Juni 2026

Vorstellungsrunde

Seit diesem Jahr schreiben über dreissig Autorinnen und
Autoren die Bolderntexte. So viele waren wir noch nie!
Die fünf Neuen haben sich im Heft von Januar / Februar
bereits vorgestellt. In diesem Heft folgen weitere Kurzporträts
– von A bis H.

Kathrin Asper
Geboren 1941, wuchs ich in Küsnacht auf
und besuchte da die Primarschule. Es folgten
Gymnasium und Studium, das ich in
Literatur und Pädagogik abschloss. Heirat
und Familiengründung. Nach einer Ausbildung
zur Psychotherapeutin führte ich ab
1975 eine eigene Praxis in Meilen.
Nun bin ich pensioniert, darf mich den Bolderntexten und
der Malerei widmen. Mein Mann und ich wohnen nunmehr
in den Bergen, wo wir unseren Lebensabend verbringen. Kirche,
religiöse Ikonografie und die Bibel haben mich immer
interessiert und mir viel gegeben.
Kontakt: kathrin.asper@bluewin.ch

Heidi Berner
Jahrgang 1955, aufgewachsen im Berner Oberland. Seit dem
Biologiestudium fasziniert mich die Formenvielfalt von
Rädertierchen, Hüpferlingen und Kieselalgen. In einer kirchli-
chen Frauengruppe entdeckte ich als junge Familienfrau
eine ebenso reiche Welt – oft im Widerspruch zu meinem
naturwissenschaftlichen Weltbild. Ich begann meine Gedanken zu
notieren und mit andern zu teilen.
Als Stadträtin (2004 bis 2017) in Lenzburg mit dem Ressort
Soziales lernte die ganze Bandbreite des Lebens kennen: Kinderbetreuung
und Jugendarbeit, Sozialhilfe, Einbürgerungen,
Gesundheitsversorgung, Altersbetreuung.
Seit 2013 bin ich im Team der Bolderntexte, dankbar für
die Herausforderung, in den oft sperrigen, aus dem Zusammenhang
gerissenen Losungen und Lehrtexten etwas zu entdecken,
das zu mir, zu uns heute spricht.
Ende 2022 übernahm ich die Redaktion der Bolderntexte.
In dieser Rolle habe ich einen ganz neuen Blick auf die Beiträge
der anderen Autorinnen und Autoren. Eine spannende
und lehrreiche Aufgabe!
Kontakt: heidi.berner@bluewin.ch


Annegret Brauch
Bolderntexte zu schreiben, ist für mich
eine lieb gewordene geistliche Übung, eine
Freude und zuweilen auch eine Herausforderung.
Im Gespräch mit der mir zugefallenen
Tageslosung oder dem Lehrtext entdecke
ich oft überraschend Neues, unerwartete
Verknüpfungen, den Trost und die Kraft des Gotteswortes.
Als Leserin freue ich mich an den verschiedenen
Perspektiven, mit denen die Mitautor:innen die Bibelverse
zum Klingen bringen.
Beruflich habe ich als Pfarrerin in der Gemeinde, im Schuldienst,
in der Erwachsenenbildung, der Frauenarbeit und
zuletzt als persönliche Referentin des Landesbischofs gearbeitet.
Seit April 2022 im «Ruhestand», empfinde ich den
gewonnenen Frei- und Gestaltungsraum, der damit verbunden
ist, als grosses Geschenk.
Kontakt: Annegret.Brauch@web.de


Monika Britt
In Zürich geboren und aufgewachsen, habe ich eine erste Ausbildung als Pflegefachfrau absolviert. Später habe ich die Matura nachgeholt und bin nach Freiburg gezogen, um Philosophie zu studieren.
Viele Fragen, die ich mir zur Welt, zum Menschen, zum Leben allgemein stelle, sind aber trotz Studium unbeantwortet geblieben, und es haben sich noch
mehr Fragen ergeben.
Beruflich war ich vor allem in der Pflege und in der Bildung tätig. Dann durfte ich, nach der Geburt meiner Tochter, dank einem Spezialstudiengang in Bern noch Theologie studieren. Während fünf Jahren wirkte ich als Pfarrerin im Kanton
Bern, nun bin ich seit März 2026 in Richterswil am Zürichsee.
Das Fragen und Nachdenken hat sich aber auch in diesem
schönen Beruf nicht erledigt, was mir durchaus entspricht.
Kontakt: Monika.Britt@refrichterswil.ch


Markus Bürki
Jahrgang 1980. Ich bin Vater von drei Kindern, Sozialdiakon, Erwachsenenbildner,
Männercoach, Umweltberater und Musiker.
Ich liebe Gespräche zwischen Bibel, Bier und Gesang! Darum habe ich unter anderem
ein Buch geschrieben und veröffentlicht:
«Bibel, Bier, Gesang – das volle Leben!» Ich schreibe
gerne, bin mit viel Freude am Schreiben für die Bolderntexte.
In Muttenz bin ich für die reformierte Kirche als Sozialdiakon
in der Senioren- und der Männerarbeit angestellt. Gerne
besuche ich die Metalchurch oder gehe an Metal-Konzerte.
Aktuell beschäftige ich mich stark mit der Frage, was die
«spirituelle Obdachlosigkeit» mit der Gesellschaft macht
und was es für mögliche Gegenrezepte anzupreisen gibt.
Kontakt: markus.buerki@ref-muttenz.ch 


Dorothee Degen
Jahrgang 1946. Seit ich in der Mittelschulzeit den Weg in die Bibelgruppe
(VBG) gefunden habe, gehört die Bibel zu meinem Leben als sättigendes, manchmal auch schwer verdauliches Brot.
Auch das Schreiben gehört zu mir: Artikel, Bücher, Redaktionsarbeit
– und sehr gerne die Bolderntexte, bei denen sich für mich das
«Kauen» des Bibeltexts und das Ringen um die schriftliche Form miteinander verbinden. Die Baptistengemeinde Zürich, der ich angehöre, hat sich das Motto gegeben:
«Wo Gott ist, da ist Liebe und Freiheit.» Damit kann ich mich identifizieren, da bringe ich mich gerne ein. Ich lebe in der schönen Stadt Zürich und schätze mich glücklich, dass unsere drei Söhne, drei Schwiegertöchter und acht Enkelkinder in guter ÖV-Reichweite wohnen.
Kontakt: degend@bluewin.ch


Bernhard Egg
Ich bin seit 2024 ein so genannt Pensionierter, einer mit vielfältigen Engagements. Ich bin Jurist, habe viel Politik gemacht, unter anderem fünfzehn Jahre im Kantonsrat
Zürich, war zuletzt während drei Amtsdauern Mitglied des Kirchenrats der Reformierten Landeskirche Zürich und Stellvertreter des kantonalen Ombudsmannes. Seit Mai 2024 führe ich mit Urs Häfliger zusammen das
Co-Präsidium der Stiftung Boldern. Ich gehe sehr gerne in die Berge, treibe Sport, habe eigenen Wald und bin glücklich, wenn ich meine Enkelin hüten darf.
Ich freue mich, einen Beitrag zu den Boldentexten zu leisten.
Kontakt: begg@bluewin.ch


Andreas Egli
Als pensionierter Pfarrer und Spitalseelsorger wohne ich mit meiner Frau in Schaffhausen. Unsere drei erwachsenen Kinder leben in Zürich und in der Region Schaffhausen. Gerne sind wir für unsere Enkelkinder da. Schon lange beschäftige
ich mich mit den Sprachen der Bibel. Nun habe ich Zeit, das moderne Hebräisch besser kennenzulernen. Die Bibel betrachte ich als ein «Buch des Lernens» (Ingo
Baldermann). Die Texte dokumentieren, wie Menschen in einer bestimmten Situation daran waren, etwas zu lernen oder zu entdecken. Heute kann beim Lesen wieder ein Lernprozess stattfinden.
Kontakt: andreasegli@gmx.ch


Andreas Fischer
Jahrgang 1966. Ein Nichtwissender werden – von diesem
Ziel aller mystischen Wege würde ich mir wünschen, dass es meinem Leben
die Richtung wiese. Und auch meinem Schreiben von Bolderntexten. Neugierig warte ich jeweils auf die mir zugespielten Losungen und versuche, wenn sie mir dann vorliegen, besonders auf Unbekanntes zu achten.
Einkehr in die Stille und Rückkehr zum Urtext helfen mir,
den Kopf von den eigenen Konzepten zu befreien. «Giess
aus, damit du erfüllt wirst!» (Meister Eckhart)
Kontakt: andreas.fischer@refrheinfelden.ch


Chatrina Gaudenz
Ich bin gebürtige Rätoromanin und in Lavin im Unterengadin aufgewachsen.
Ich studierte vergleichende Religionswissenschaften mit Schwerpunkt Judentum
in Zürich, Luzern und Jerusalem. Unterdessen bin ich Pfarrerin in der reformierten
Gemeinde Zürich-Fluntern und gehörte von Herbst 2020 bis Herbst 2022 zum Team der SRF-Sendung «Wort zum Sonntag».
Kontakt: chatrina.gaudenz@reformiertzuerich.ch


Dörte Gebhard
Aufgewachsen bin ich in der DDR, war siebzehn, als die Mauer fiel, und habe Evangelische Theologie in Kiel und Tübingen studiert. Jetzt bin ich Privatdozentin für Praktische Theologie an der Universität Zürich (seit 2010), Teilzeitpfarrerin in Schöftland AG (seit 2012) mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung und aktiv in der kirchlichen Aus- und Weiterbildung. Regelmässig verfasse ich Onlinepredigten,
die das Komische am Christentum nicht verschweigen.
Bolderntexte bringen Würze durch die Kürze und sind oft wie Brühwürfel, aus
denen ich später Andachten und Predigten aufgiesse oder einen Perspektivwechsel in einem Seelsorgegespräch ermögliche.
Kontakt: doerte.gebhard@web.de


Barbara Heyse-Schaefer
Ich bin Jahrgang 1960 und lebe seit Ende 2023, meiner Pensionierung, mit einer
Freundin am Stadtrand von Wien. Unsere Frauen-Alters-WG ist ein Glücksfall: ein
geteiltes Haus mit Garten, eine kritische Gesprächspartnerin, viel gemeinsames
Leben – und eine Entlastung für unsere sieben erwachsenen Kinder, die gern mit ihren Familien zu Besuch kommen. Viele Jahre war ich Pfarrerin in zwei Wiener
Gemeinden, zudem Hochschulpfarrerin, später Leiterin der Evangelischen
Frauenarbeit in Österreich. Theologie studierte ich in Wien, Tübingen und Berlin. Feministische Theologie, Ökumene, interreligiöser Dialog und soziales Engagement begleiten mich bis heute. Ich bin Mutter von drei erwachsenen Kindern und werde
demnächst Grossmutter – eine neue Perspektive auf Zeit, Verantwortung, verbunden mit viel Freude!
Seit 2014 schreibe ich für die Bolderntexte. Persönliches verbinde ich mit theologischer Reflexion, Alltägliches mit politischer Wachsamkeit und bringe eine österreichische Stimme ein, die zuhört und nachfragt und dem Leben zutraut,
dass es mehr ist als das, was gerade sichtbar ist.
Kontakt: barbaraschaefer05@gmail.com


Esther Hürlimann
Das Schreiben der Bolderntexte ist für mich eine spirituelle und kreative Aufgabe, die ich als Bereicherung empfinde. Meine Bibelfestigkeit ist sehr selektiv, dafür aber innig-kritisch-beeinflusst durch mein Aufwachsen in einem landeskirchlich-
liberal geprägten Pfarrhaus im Kanton Zürich. Die Faszination für die poetische Kraft der Bibel wurde genährt in meinem Studium der Geschichte, Germanistik und Judaistik. Beruflich war ich nach meinem Universitätsabschluss einige Jahre im Tagesjournalismus tätig, bis ich vor 25 Jahren mit dem Herausgeben und
Schreiben von Büchern begann. Als Sachbuchautorin habe ich mich auf Firmen-
und Familiengeschichten spezialisiert. Zudem leihe ich meine Feder für historische Festreden und schicksalhafte Lebensgeschichten aus. Kontakt: e.huerlimann@pantarhei.ch

31. Mai

Wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken!
Wie ist ihre Summe so gross! Psalm 139,17

Das Staunen über die Schöpfung ist ein Grundton im
Psalm 139. Im Unterschied zu bekannten Bibeltexten geht
es hier nicht um das Werden von Himmel und Erde. Über
die Entstehung des Lebens wird auf eine ganz andere Art
geredet. Der Psalmbeter denkt darüber nach, wie sein eigenes
Leben angefangen hat: als winziger Embryo im Schoss
der Mutter. Er sagt zu Gott: «Du hast mich gewoben im Leib
meiner Mutter. Schon damals haben mich deine Augen gesehen.
» Der Losungsvers fasst die Verwunderung in Worte.
Wenn Gott es ist, der Leben ermöglicht, dann kann man
über seine Ideen nur staunen: «Und mir, wie kostbar sind
mir deine Ideen, o Gott! Wie mächtig sind ihre Zahlen!»
Man könnte versuchen, Gottes Gedanken durch Messen
und Zählen in den Griff zu bekommen. Aber der Plan scheitert,
denn die Zahl ist viel zu gross. «Ich will sie zählen – sie
sind zahlreicher als der Sand.» Die eifrigen Überlegungen
haben zu einem Zustand geführt, der dem Traum ähnlich ist.
Doch der Beter kehrt zurück in die Realität und sagt: «Ich
bin aufgewacht – und ich befinde mich immer noch in der
Gemeinschaft mit dir.» (Vers 18) Hier liegt der eigentliche
Grund für das Staunen.
Der Beter kennt einen Gott, der zu ihm sagt: «Ich bin bei
dir. Ich begleite dich und zeige dir den guten Weg, an allen
Tagen deines Lebens.»

Von: Andreas Egli

30. Mai

Der HERR, der gütig ist, wolle gnädig sein allen, die ihr
Herz darauf richten, Gott zu suchen. 2. Chronik 30,18–19

Mir fallen zu diesem Losungstext Erlebnisse bei meiner Grossmutter
ein. Sie war so etwas wie eine Grande Dame, strahlte
Würde aus, wenn sie in ihrem Sessel sass und zumeist irgendeine
Handarbeit verrichtend Besucherinnen und Besucher
empfing. Wollte ihr jemand besonders gefallen, sie gütig für
ein Anliegen stimmen und ihr also schmeicheln, so begrüssten
sie sie zumeist mit «gnädige Frau». Hierauf kannte meine
Grossmutter nur eine Antwort: «Gnädig ist nur einer!» Im
Sinne der Losung kann diese Antwort verstanden werden
als: «Senden Sie bitte die Schmeicheleien an die richtige
Adresse!» Und in der Tat, es wäre ja in unserer Welt vielen
schon geholfen, wenn das Gefallenwollen sich dorthin richten
könnte, wo das Gnädigsein zuhause ist. Wenn das Herz,
also unsere Lebensmitte, sich auf den Urquell aller Güte und
Gnade fokussieren würde. So, wie es Hiskia in der Losung
tut, wenn er all jene ins Gebet und in seine Handlungen
einschliesst, die sich letztlich unwissend verhielten und sich
noch nicht für das Heilige gereinigt hatten. Für sie bittet
Hiskia
Gott um Gnade. In meinen Worten: Auch wenn es
bisher nicht gereicht hat, so wende dich nicht ab, Gott, bleib
den Unvollkommenen zugewandt. «Und der Herr erhörte
Hiskia und vergab dem Volk!», heisst es in Vers 20. Welch
eine Chance für ein erneutes Fokussieren auf den, von dem
meine Grossmutter schon sagte: «Gnädig ist nur einer!»

Von: Gert Rüppell

29. Mai

Ich habe erkannt, HERR, dass der Mensch nicht
über seinen Weg bestimmt. Jeremia 10,23

Eigenständigkeit ist für die meisten von uns ein zentrales
Bedürfnis. Schon als Teenager streben wir nach Eigenständigkeit,
ohne Bevormundung durch unsere Eltern! Ich erinnere
mich, wie sehr ich als junger Mann meinen Weg selbst
bestimmen wollte.
Nun sind seit damals einige Jahre ins Land gegangen, und
in der Rückschau taucht schon mal die Frage auf, wie eigenständig
war das eigentlich alles, wie viel haben andere daran
mitgewirkt, was aus mir geworden ist? Gab es eine vielleicht
gar nicht wahrgenommene Fremdbestimmung meines
Lebenswegs? Gab es Dinge, die so in mir angelegt waren, dass
ich sozusagen gar nicht anders konnte, als so zu handeln,
wie ich handelte? Gab es ein «Vor» der Fremdbestimmung?
Diese Erkenntnisse drücken für mich die Worte Jeremias aus.
Hier wird auf Wegweiser verwiesen, die zweifelsfrei auch in
meinem Lebensweg zu finden sind. Erkenntnisse, die mich
demütig machen. Denn es gilt doch einzusehen, dass nicht
alles, was ich mir als Eigenleistung zuschrieb, wirklich Eigenes
war! Vielmehr wird deutlich, dass es auch immer schon
das Andere gab, das Unverfügbare, das ich im Rückblick
den Ratschluss Gottes nenne. Offensichtlich hat nicht nur
eigenes Werk, sondern ebenso Gottes Führung meinen Weg
bestimmt!
Ein Leben in Kooperation: Gott sei Dank!

Von: Gert Rüppell

28. Mai

Christus ist auferweckt von den Toten als Erstling
unter denen, die entschlafen sind. 1. Korinther 15,20

Die heutige Losung ist ein happiger Brocken: die Auferstehung!
Nebst Geburt und Kreuzigung Jesu das dritte grosse
Thema des Christentums. Und darüber soll ich am Tag des
Angriffs von Israel/USA auf den Iran schreiben? Ja, was ist sie?
Historische Wahrheit, Märchen, Mythos, Geheimnis, Vision
oder Wunder? In den Glaubensbekenntnissen bekräftigen
wir Christ:innen, dass wir an sie glauben und sie folglich
für wahr halten. Aber was heisst das? Was bedeutet sie uns
konkret, im täglichen Leben und im Glaubensleben? Besteht
ein Unterschied zwischen Auferstehung und Auferweckung?
Suchend blättere ich bei Karl Barth nach und finde komplexe
Theologie, die mir ehrlich gesagt nicht ans Herz geht. Also
weiter zu Leonhard Ragaz, der festhält, die Auferstehung
sei weder eine Tatsache der Wissenschaft noch ein Dogma;
sie könne nur Zeugnis des Glaubens sein und könne niemandem
aufgedrängt werden. Er findet weiter, sie müsse in
ein Geheimnis gehüllt sein. Dieses Bild gefällt mir. Es passt
für mich gut zum Leben und Wirken von Jesus. Wie sagte
er doch zu den Blinden: «Euch geschehe, wie ihr geglaubt
habt» (Matthäus 9,29) oder zur Frau mit den Blutungen:
«Tochter, dein Glaube hat dich gerettet. Geh in Frieden.»
(Lukas 8,48) Ob ich gerettet beziehungsweise auferweckt
werde, weiss ich nicht. Es bleibt ein Geheimnis. Ich finde das
gut so und vertraue darauf, dass Gott es gut mit mir meint.

Von: Bernhard Egg

27. Mai

Obwohl es solche gibt, die Götter genannt werden, es sei im Himmel oder auf Erden, wie es ja viele Götter und viele Herren gibt, so haben wir doch nur einen
Gott, den Vater, von dem alle Dinge sind und wir zu ihm und einen Herrn, Jesus Christus, durch den alle Dinge sind und wir durch ihn. 1. Korinther 8,5–6

In der Tat gibt es viele Herren,
die sich auf Erden aufführen,
als hätten sie die Macht,
nach reiner Willkür
zu schalten und zu walten.


So gesehen ist der Korinthervers
ein «Abwehrmittel»
gegen diese Machtprotze.


Vielleicht müsste man es einfach
etwas schlichter sagen:
«Hört, ihr Mächtigen, wir fallen nicht
auf euch herein, so pompös ihr euch
auch aufführen mögt!
Wir vertrauen auf die radikale Liebe,
die der Wanderprediger
aus Nazaret vorgelebt hat
und die in uns allen schlummert.»
Hin und wieder blitzt sie auf
wie ein Sonnenstrahl –
welch ein Glück!

Von: Heidi Berner

26. Mai

Weist die zurecht, die sich an keine Ordnung halten,
ermutigt die Verzagten, steht den Schwachen bei,
habt Geduld mit allen! 1. Thessalonicher 5,14

Wenn wir diesen Anordnungen folgen,
konsequent und beharrlich,
dann haben wir ordentlich zu tun!


Es gibt leider viel zu viele, auch Mächtige,
die sich an keine Ordnung halten.
Was bringt da meine Zurechtweisung?
Herzlich wenig, schätze ich mal,
denn diese Mächtigen beeindruckt
weder Ordnung noch Zurechtweisung.


Die Verzagten ermutigen, das geht.
Am besten fange ich bei mir selber an!


Den Schwachen beistehen?
So umfassend eine Überforderung.
Aber es müssen ja nicht alle sein,
sondern jene, die mir nahe sind,
wo ich etwas bewirken kann.


Bei einigen geht mir die Geduld aus.
Also lass ich mich nicht entmutigen
und wage kleine Schritte.
Auf geht’s!

Von: Heidi Berner

25. Mai

Mächtig waltet über uns seine Güte, und die Treue
des HERRN währt in Ewigkeit. Halleluja. Psalm 117,2

Ich höre hin und wieder von Menschen, insbesondere
auch von jungen Menschen, dass sie schlecht schlafen, von
Albträumen geplagt werden, weil es um die Welt und das
Zusammenleben der Menschen so schlecht bestellt ist. Es
erschüttert mich, dass sich eine Bewegung, die sich für den
Respekt gegenüber Gottes Schöpfung einsetzt, als «Last
Generation» bezeichnet, wie wenn es keine Hoffnung auf
Zukunft mehr gäbe.
Umso schöner, wenn ein biblisches Wort wie diese Losung
dem widerspricht, was den Gang der Geschichte und das
Verhalten der Menschen zu bestimmen scheint. Mächtig
scheinen die, die sich durchsetzen, die sich nicht ums Recht
oder um den Anstand scheren, die sich nicht bremsen lassen,
bloss um Rücksicht zu nehmen.
Doch wir stimmen in den Psalm ein, der jubelnd behauptet,
die Güte Gottes habe Macht über uns und über die
Welt und wir könnten uns darauf verlassen, dass Gott treu
ist. Wir müssen nicht mit der Treulosigkeit derer rechnen,
die auch ihre Freunde verraten, wenn sie sich davon Gewinn
versprechen.
In der klösterlichen Tradition gehört Psalm 117 – es ist der
kürzeste aller Psalmen – ans Ende des Tages. Das Halleluja
über Gottes Güte und Treue wird uns vor den Albträumen
wegen der Rücksichtslosigkeit und Untreue von Menschen
schützen.

Von: Benedict Schubert

24. Mai

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch,
dass der König der Ehren einziehe! Psalm 24,7

«Macht hoch die Tür!» Diese adventliche Losung lädt ein,
Pfingsten wie Weihnachten zu feiern. Es wird manchmal
angemerkt, Pfingsten sei so unanschaulich als Fest; es sei
schwierig, sich vorzustellen, was da eigentlich passiert.
Aber probieren wir es einmal so:
«Unser Heiland ist nun da!» «Christ ist erschienen, uns
zu versühnen.» «Heut schliesst er wieder auf die Tür zum
schönen Paradeis.» «Unser Kerker, da wir sassen und mit
Sorgen ohne Massen und das Herze selbst abfrassen, ist
entzwei, und wir sind frei.» «Eins aber, hoff ich, wirst du mir,
mein Heiland, nicht versagen, dass ich dich möchte für und
für in, bei und an mir tragen.» «Die ihr arm seid und elende,
kommt herbei, füllet frei eures Glaubens Hände.» «Das ewig
Licht geht da herein, gibt der Welt ein’ neuen Schein.»
Ich habe etwas wahllos Zeilen aus Weihnachtsliedern aneinandergereiht,
um uns zu vergegenwärtigen, dass Pfingsten
wirklich das Fest der Gottesgegenwart in und unter uns ist.
Der Heiland kommt in der Gemeinde zur Welt. Wer Gott
sucht, findet ihn in der Kirche. Wo zwei oder drei im Namen
von Jesus versammelt sind, da werden Menschen aufgerichtet,
getröstet, wiederhergestellt, befreit.
Das schreibe ich notabene ohne Fragezeichen.

Von: Benedict Schubert

23. Mai

Er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute
und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.
Matthäus 5,45

Dieser Vers hat für mich gleichzeitig etwas Tröstliches wie
auch etwas Ungeheuerliches.
Tröstlich finde ich ihn deshalb, weil das Wiederkehrende,
also das wiederholte Kommen von Sonne und Regen, vielleicht
auch bedeutet, dass sich Böse und Gute verändern
können, oder – noch besser –, dass sich Böse zu Guten verändern
können. Gott gibt den Menschen weiterhin Zeit und
Möglichkeit, sich zu ändern.
Aber, und damit bin ich beim Ungeheuerlichen: Er hält
sich auch schön raus! Sind damit die «Guten» den «Bösen»
schutzlos ausgeliefert?
Jesus gibt in der Bergpredigt, aus der der obige Vers
stammt, eine Möglichkeit des Umgangs miteinander vor:
die Feindesliebe. Radikal, visionär – und schwierig.
Vor einiger Zeit hörte ich am Radio das Interview mit einer
Frau, die auf Social Media wegen irgendetwas angefeindet
wurde. Anstatt sich zu verkriechen oder zurückzuschlagen,
entschloss sie sich, Kontakt aufzunehmen mit den Leuten, die
diese Kommentare verfasst hatten, oder es zumindest zu versuchen.
Das sei die einzige Möglichkeit, um nicht selbst dem
Hass zu verfallen, sagte sie. Die Offenheit und Verletzlichkeit,
mit der sie das sagte, beeindruckt mich. Sie könnte eine
moderne Art der Umsetzung dessen sein, was Jesus fordert.

Von: Katharina Metzger