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Der Mittelteil dieser Ausgabe

Wir brauchen Trost

Als wir dieses Heft vorbereiteten, wussten wir nicht, wie wir 2021 Palmsonntag, Karfreitag, Ostern feiern würden. Wiederum nichts vom Vertrauten, das uns im gemeinschaftlichen Feiern im Glauben bestärkt? In dieser Zeit der Unsicherheit, von Verlusten, Zweifeln und Verzweifeln brauchen wir Trost. Aber was ist Trost? Wie finden wir ihn? Wie geben wir ihn weiter? Wo und wie zeigst du dich, Gott des Trostes?

Wir haben die Frauen und Männer, die neu zum Boldern-Team gestossen sind, gebeten, mit uns zu teilen, was Quellen des Trostes sein können.

Felix Reich
Um mich trösten zu lassen, muss ich loslassen. Aufhören, im Recht sein zu wollen, und zulassen, dass ich schwach und trostbedürftig bin. Ich brauche den Grossmut, den Trost anzunehmen, selbst wenn er mir unbedarft erscheint. Um andere Menschen zu trösten, muss ich die Angst überwinden, dass mein Trost billig daherkommt. Ich brauche den Mut, Worte zu finden für einen fremden Schmerz, von dem ich weiss, dass ich ihn nicht ermessen kann. Trösten und sich trösten lassen sind Aufgaben. Versuche gegen die Selbstgerechtigkeit. Wenn der Trost gelingt, werden Gottes leuchtende Spuren in der Welt sichtbar. Und die Hoffnung trägt, dass Gott tröstet und trösten hilft, wenn die Worte versagen.
 
Katharina Metzger
Heile, heile Säge, drei Tag Räge, drei Tag Schnee, denn tuets im Chindli nümme weh.
Dieser Kindervers, gedacht wohl für aufgeschürfte Knie oder Wackelzähne – stimmt er auch für Erwachsene? Ich glaube, ja. Denn Trost ist für mich nicht etwas, was ein hilfsbereiter Mensch einem anderen Menschen, der traurig ist, verabreichen kann. Auch wenn dieser Hilfsbereite das so gerne möchte. Trost ist vielleicht, dabei zu sein in den drei Tagen Regen, drei Tagen Schnee. Und zu wissen, dass diese wichtig sind. Dass Trost wachsen muss. Und dass der Boden dafür in demjenigen Menschen liegt, der jetzt noch traurig oder verletzt ist. Und Gnade ist es, wenn sich der Boden dafür findet und verdichtet.

Barbara und Martin Robra
«Und Gott wird abwischen alle Tränen.» (Offenbarung 21,4) Mitten im Zweiten Weltkrieg arbeitet der Künstler Max Beckmann an Lithographien für eine Ausgabe der Offenbarung des Johannes. Dazu gehört auch ein Bild zum 4. Vers des
21. Kapitels. Die Gestalt eines Engels – fliessend die Grenze zum Bild einer liebevollen Frau – wendet sich an den wie tot daliegende Beckmann. Die Vision der tröstenden Gegenwart Gottes im Neuen Jerusalem spricht unmittelbar zur Existenz des Künstlers in bedrohter Zeit. Trösten heisst: Tränen trocknen, den Schmerz teilen, die Todesstarre überwinden und zärtlich neues Leben schenken.

 
Markus Bürki
Trost ist ein weites Wort. Für mich ist Trost die Gewissheit, dass es nicht nur das gibt, was wir sehen und hören und verstehen. Ja, es muss und soll noch diese weitere Dimension geben in unserem Leben.
Trost verbindet, und Trost macht warm ums Herz. Trost kann Wunden pflegen und Tränen trocknen. Von der Mutter oder vom Vater getröstet zu werden, ist etwas Einmaliges.
Trost können wir nur verschenken, nicht verkaufen oder bestellen. Trost kommt von Herzen und geht zu Herzen.
Trost hat diese göttliche Dimension, auf die wir getrost vertrauen können, gerade in dieser haltlosen und manchmal trostlosen Zeit. Manchmal wünsche ich mir, dass ich auf Knopfdruck ganz viel Trost in die Welt senden kann, und doch merke ich: Ich bin nur ein Mensch. Aber ich kann in den Arm nehmen und trösten: meine Kinder; meine Frau. Trost als Balsam und Trost als Wundheilsalbe in dieser Zeit.

Dörte Gebhard
Alles halb so schlimm,
beim nächsten Mal kannst du es besser,
das kann jeder passieren,
da kann man eh‘ nichts machen,
die Zeit heilt alle Wunden
oder denk nicht mehr dran!

Sechsmal Trösterei, die nicht für immer nützt. Sechsmal Vertrösterei.
 

Verdrängen löst Probleme nicht,
die Zeit kann gar nicht alles,
machen kann man meist doch etwas,
es ist egal, wie oft es passiert,
manchmal gibt es kein zweites Mal
und wie schlimm es ist, weiss nur Gott.
 
Gottes Trost für die ganze Welt, speziell für dich: Ich war, bin und bleibe da und nah.
Zur freundlichen Nachahmung empfohlen, allen Menschen nah und fern.


Reinhild Traitler
In meinem Lexikon über den Ursprung der Wörter lese ich, dass «Trost» aus einer Wurzel stammt, die Festigkeit und Stärke aber auch Treue bedeutet.
Dazu fällt mir spontan Dietrich Bonhoeffers berühmtes Neujahrslied (geschrieben im Dezember 1944) ein, in dem das Wort «Trost» in diesem Sinn gebraucht wird:
Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Das Wort «getröstet» könnte auch «gestärkt» heissen, oder
«innerlich gefestigt». In der letzten Strophe dieses Liedes kommt dann noch das Wort «geborgen» dazu. Trost: Das, was uns stark macht.
 

 

 

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