boldern!   Mittelteil  
 

Bolderntexte

Bolderntexte Archiv

Mittelteil

Bolderntexte abonnieren

Bestellformular

Downloads

 
Bolderntext:
 
Der Mittelteil dieser Ausgabe

Die Jugend ist gefragt und gefordert! von Markus Bürki

Sokrates (470–399 v. Chr.) sagte: «Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihr Lehrpersonal.»
Diese Zeilen machen mir Freude! Die Jugend war also einfach schon immer so, wie sie ist, und das ist doch auch gut so.
Aufmüpfig, laut, nervend, kreativ, offen, der Welt zugewandt, voller Energie, mit Flausen im Kopf… Ich könnte noch lange weiter aufzählen. Und die Jugend ist ja nicht so oder so. Sie ist divers wie unsere Gesellschaft und am Ende die ganze Welt. Jeder Mensch ist einzigartig und keine zwei sind genau gleich auch nicht im Fühlen, Denken, Handeln oder eben Jugendlichsein. So einfach ist das. Und so komplex.
Es werden sich immer Menschen finden, welche die Jugend «daneben» oder wie auch immer finden. Das finde ich ja zumindest bei einzelnen Exemplaren davon manchmal auch, und das gebe ich auch offen zu.
Und wie denkt eigentlich diese diverse Jugend über Spiritualität und Religion? Was glaubt sie, und was glaubt sie nicht mehr? Auch da sind die Antworten so komplex, wie es eben Jugendliche sind. Als Jugendarbeiter einer reformierten Kirchgemeinde fällt mir Folgendes auf: Sie, die Jungen also, die, welche hier bei uns ein- und ausgehen, sind schon mal nicht komplett uninteressiert an Religion und Glauben und Spiritualität. Das würde ich so unterschreiben. Die jungen Menschen von heute suchen aber andere Wurzel-Enden als wir älteren Semester. Das ist gut so. Denn eine Kirche, die nicht mit der Zeit gehen kann, verliert den Anschluss. Und – da bin ich böse, wenn ich anfüge, dass sie den Anschluss leider schon verpasst hat.

Wie könnten solche Angebote und Erfahrungen für und mit Jugendlichen in der Kirche aussehen? Bestimmt nicht um 10 Uhr am Sonntag, sorry, aber bitte hier wirklich mal aufhören mit der Werberei, um die Jugend für den Sonntagsgottesdienst zu gewinnen, der Zug ist (natürlich nicht bei allen!) wohl abgefahren. Was also dann? Das Gleiche am Sonntagabend? Auch nicht. Wie wäre es mit einer Art Weiterbildungsangeboten, welche die Jugend mit anderen Menschen in Berührung bringt? Mit Obdachlosen, mit Alkoholikern, mit Nonnen, mit Schwulen und Lesben, einfach mit Menschen? Und wie wäre es dann, zusammen mit diesen Menschen über Glauben und Religion zu reden, beim gemeinsamen (Abend-)Mahl? Und dabei zu merken, wo versteckte Glaubensfasern schlummern, und so, im Austausch mit diesen vielen Menschen, weiter nach der Liebe Gottes zu suchen? Sie nicht unbedingt finden, aber zusammen suchen und darüber in den Austausch kommen? Und natürlich immer wieder kritisch und frei und neu und quer an die Bibel herangehen und schauen, was da freigelegt werden kann?


Drei Jugendliche aus Allschwil haben das unternommen und sich auf die Texte vom 30. Mai und 1. und 2. Juni eingelassen. Wie gehen sie im Vergleich zu unseren Team-Autorinnen mit den biblischen Aussagen um?

Sonntag, 30. Mai 2021

HERR, du lässest mich fröhlich singen von deinen Werken, und ich rühme die Taten deiner Hände.
Psalm 92,5


Etwas Gutes vollbringen, sei es eine gute Tat leisten oder etwas tun, das andere inspiriert – man macht damit die Welt ein bisschen besser. Was 
aber auch dazu gehört,  ist die Verbreitung der Nachricht. Eine gute Tat kann einigen eine Freude bereiten. Je mehr Menschen jedoch davon mitbekommen, desto mehr kann diese Tat inspirieren oder begeistern. Es bereitet den Menschen, welchen man davon erzählt, Freude. Es bereitet einem selbst Freude, da man stolz auf die Person und ihre Taten sein und sozusagen damit prahlen kann. Und es bereitet der Person, die etwas vollbracht hat, Freude, dass es so vielen gefällt. Ich denke, darum geht es in diesem Text. Dankbar dafür sein, dass man Freude verbreiten kann, durch das Weitererzählen von guten Taten, vollbrachten Werken und inspirierenden Geschichten.

Ich denke, das «lässest» steht sowohl für die Erlaubnis, diese Dinge weitererzählen zu dürfen, als auch für die Möglichkeit, so etwas Tolles zum Erzählen zu haben. Man ist stolz auf das, was die Person vollbracht hat. Und man kann seinen Stolz mit anderen teilen, welche dann auch positiv beeinflusst werden.

Penelope Buol, 17 Jahre alt
Jugendtreff OASE Allschwil-Schönenbuch

Dienstag, 1. Juni 2021

Wenn ihr euch von ganzem Herzen zu dem HERRN bekehren wollt, so tut von euch die fremden Götter.
1. Samuel 7,3

Wenn ich diesen Satz ohne jegliches Vorwissen bezüglich Ort des Geschehens und Bibelstelle lese, löst er in mir einen Konflikt aus. Was ich hier lese, sagt mir, dass ich mich nur zum Herrn bekehren kann, wenn ich mich von allen fremden Göttern entferne. Was  heisst  aber  bekehren? Heisst es, dass Gott nur bei mir ist, wenn ich an ihn glaube und nur an ihn? Soll dies heissen, dass alle Religionslosen oder Angehörige anderer Religionen verloren sind und seine Liebe nicht verspüren dürfen? Gott, wie ich ihn erfahre, sehnt sich nach jedem, unabhängig davon, was er glaubt oder eben nicht glaubt.
Wenn
  diese  Interpretationsweise  mich  nur  zu Fragezeichen bringt, muss eben eine andere her. In einem zweiten Schritt versuchte ich herauszufinden, wie «Bekehrung» anders zu interpretieren ist. Dafür suchte ich ein Synonym und ersetzte das Wort «bekehren» mit «widmen». Jetzt lautet der Psalm so: «Wenn ihr euch von ganzem Herzen dem HERRN widmen wollt, so tut von euch die fremden Götter.» So, wie es jetzt dasteht, lese ich es ganz anders. Nun verstehe ich den Psalm als reine Hilfe. Gesagt wird mir, dass es mir leichterfallen wird, mich dem Herrn zu widmen, wenn ich mich von dem löse, was mich ablenkt. Sei gesegnet!

Xavier Leuenberger, 18 Jahre alt




Mittwoch, 2. Juni 2021

Höret, so werdet ihr leben!
Jesaja 55,3


Meine Eltern sagen mir immer, ich soll andere so behan-eln, wie ich selbst behandelt werden möchte. Oder wenn ich die ganze Zeit fröhlich bin, erleichtert es jedem den Tag und meine Mitmenschen sind somit auch fröhlich. Das führt mich jetzt schon Jahre durchs Leben. Ich merke das zum Beispiel bei der Mensa meiner Schule. Ich rede freundlich und glücklich mit den Menschen dort und bekomme ein Lächeln zurückgeschenkt. Danach hat man jedes Mal ein gutes Gefühl. Das zeigt einem auch, dass man auf andere hören soll. Man bekommt von anderen gute Tipps. Was impliziert, dass Leute wissen, wie sie gut ins Leben starten können und was ihnen hilft, sowohl ihr eigenes als auch das Leben ihrer Mitmenschen zu optimieren. Man soll auch auf andere hören und selbst auch auf Leute zugehen, was allen schlussendlich hilft.
Man muss nicht versuchen, allein durchs Leben zu kommen, sondern kann Hilfe anderer annehmen.

 

Vivienne Salsi, 18 Jahre alt
Jugendtreff  OASE Allschwil-Schönenbuch
 

 

  Trägerverein Boldern   Boldernstrasse 83   Postfach 1031   8708 Männedorf   +41 (0)44 921 71 11   E-Mail   www.boldern.ch